Zwei Jahre JX Fund: Unterstützung für Exilmedien

  • Februar 19, 2024
  • News

Seit seiner Gründung im März 2022 hat der JX Fund 55 unabhängige Exilmedien aus Belarus, Russland und Ukraine unterstützt. Rund 1.600 Medienschaffende im Exil haben von dieser Arbeit profitiert. Der JX Fund wurde als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gegründet und setzt auf unbürokratische und bedarfsorientierte Unterstützung, um unabhängige Exilmedien nachhaltig handlungsfähig zu machen.

EXILMEDIEN ALS GEGENGIFT
ZU PROPAGANDA UND DESINFORMATION

72% aller Menschen weltweit leben unter autoritärer Herrschaft. Mit der Zunahme autoritärer Regime werden auch Medienschaffende zunehmend durch staatliche Kontrolle, Zensur und Repression eingeschränkt. Es sind heute nicht mehr nur einzelne Journalist:innen, die fliehen, sondern auch Medienunternehmen und sogar ganze Medienlandschaften, die zur Flucht gezwungen werden.

In einem Zeitalter, in dem Desinformation zu einer globalen Bedrohung geworden ist, wird eine professionelle und unabhängige Berichterstattung immer wichtiger. Unabhängige Medien fungieren – selbst wenn sie ins Exil gezwungen werden – als Gegengift zu den Desinformationskampagnen autoritärer Regime. Sie sind essentiell für die Versorgung mit unabhängigen Informationen – sowohl für Zielgruppen in den jeweiligen Herkunftsländern als auch für die globale Öffentlichkeit: Da Exilmedien meist digital und damit global zugänglich sind, können sie sowohl der Zivilgesellschaft in ihren Herkunftsländern als auch dem globalen Publikum Zugang zu unabhängigen Informationen verschaffen und so Fake News und Propaganda entgegenwirken.

JOURNALISTISCHE ARBEIT
UNTER EXTREMBEDINGUNGEN

Exiljournalismus ist journalistisches Arbeiten unter Schwerstbedingungen: Zu den allgemeinen Herausforderungen, mit denen Medienschaffende weltweit aktuell konfrontiert sind, stehen Medienschaffende im Exil vor zahlreichen weiteren Problemen: Zielgruppen im Herkunftsland müssen erreicht, Blockaden umgangen, Desinformationskampagnen bekämpft, die eigene Glaubwürdigkeit aufrechterhalten und neue Wege der Monetarisierung gefunden werden. Freelancer:innen vor Ort müssen unterstützt und gehalten, Angehörige im Herkunftsland geschützt, eigene Traumata bearbeitet und das Tagesgeschäft am Laufen gehalten werden. Führungskräfte sind plötzlich damit konfrontiert, ihre Angestellten bei der Wohnungssuche oder beim Eröffnen eines Kontos zu unterstützen und stehen gleichzeitig vor der Herausforderung, eine Redaktion zusammenhalten zu müssen, deren Mitglieder im Exil häufig nicht mehr in einer Stadt, sondern über Ländergrenzen hinweg verstreut leben.

Exilmedienschaffende müssen sich ein neues Leben aufbauen, und zeitgleich einen Beruf ausüben, der bereits unter herkömmlichen Bedingungen herausfordernd ist – stets in Sorge um Angehörige und Kolleg:innen im Herkunftsland, die durch die eigene journalistische Arbeit in Gefahr geraten könnten.

ARTENVIELFALT STÄRKEN:
DER JX FUND ALS HUB FÜR DIE
INTERNATIONALE EXILMEDIENSZENE

Der JX Fund wurde 2022 gemeinsam von Reporter ohne Grenzen (RSF), der Rudolf Augstein Stiftung und der Schöpflin Stiftung gegründet und ist Teil der Hannah-Arendt-Initiative. Seit März 2022 unterstützt der JX Fund Medienschaffende im Exil beim (Wieder-)Aufbau und Erhalt von Redaktionsstrukturen und fördert Exilmedien, damit sie weiterhin ein Publikum in ihren Heimatländern sowie eine globale Öffentlichkeit dauerhaft und nachhaltig mit unabhängigen Informationen versorgen können. Dabei setzt der Fund nicht ausschließlich auf reichweitenstarke Medien, sondern unterstützt auch kleinere, themengetriebene Medien, um die Artenvielfalt der Exilmedienlandschaft dauerhaft zu erhalten und zu fördern.

Dazu gehört neben schneller und unbürokratischer finanzieller Unterstützung bei der Ankunft im Exil auch die strategische Unterstützung Exilmedienschaffender. Agil und bedarfsorientiert unterstützt der JX Fund dort, wo gerade Hilfe gebraucht wird – stets mit dem Ziel, Redaktionen so zu stärken, dass sie langfristig und nachhaltig bestehen können. So unterstützt der JX Fund nicht nur finanziell, sondern organisiert Räume für Austausch, Community Building und Selbstreflexion in Form von Symposien, Konferenzen und Strategie-Workshops, unterstützt bei psychologischen und juristischen Schwierigkeiten, verbindet und verknüpft Exilmedienschaffende mit den richtigen Institutionen und Partner:innen.

Er fungiert als Hub für die internationale Exilmedienszene: Der JX Fund sammelt und matcht die Angebote, die es weltweit bereits gibt, um sie bestmöglich zu nutzen und Doppelungen zu vermeiden. Lediglich bei Lücken im Angebot setzt der JX Fund eigene Projekte auf. Neben der direkten Unterstützung von Exilmedienschaffenden führt der JX Fund eigene Studien und Umfragen durch, sammelt und kuratiert alle relevanten wissenschaftlichen und journalistischen Publikationen zum Thema Exiljournalismus auf der Plattform „Journalism in Exile“  – immer mit dem Ziel, Exilmedien so zu stärken, dass sie selbstständig und langfristig in der Lage sind, Informationswüsten und Desinformationen in ihren Herkunftsländern dauerhaft entgegenzuwirken.